Faszination Theater
Rund um Michael Halbig und Miriam Papst begannen wir uns in den Neunziger Jahren als Gruppe von Schauspieler/innen, Performer/innen und Tänzer/innen der freien Wiener Theaterszene zusammenzuschließen, um erworbene Kenntnisse in Trainings und Workshops an interessierte Kolleg/innen und Laien weiterzugeben, und vor allem um eigene Projekte zu verwirklichen.
1993 fanden wir im 12. Bezirk in der Rosasgasse einen geeigneten Proberaum, der zuvor als Werkstatt und Fotolabor genutzt wurde. Da noch kein geeigneter Boden vorhanden war, wurde im Rahmen der Sanierung ein Schwingboden verlegt. Damit war auch ein Name für unser Theater gefunden: THEATER OHNE BODEN.

Neben den beiden zählten Ina Rager, Andrea Schmon , Gerhard Fritz, Dietmar Egle und Nagy Vilmos zu den Leuten der ersten Stunde. Mit dem ersten Stück „nahe zu nahe“ (1994 in der Stadtinitiative Wien) begann auch eine Serie von Eigenproduktionen, die sich trotz der sehr geringen finanziellen Unterstützung durch die öffentliche Hand bis heute fortsetzt (siehe Archiv) , und die wir auch weiterführen werden.

Arabische Nacht
Aus dieser Handvoll Beteiligter ist inzwischen eine Gruppe im Kern zusammengewachsen, die THEATER OHNE BODEN als Verein weiterführt und über Jahre hinweg eine Eigenproduktion nach der anderen auf die Beine stellt. Über diese Kerngruppe hinaus setzt sich das jeweilige Ensemble immer wieder neu zusammen. Nachdem wir den Proberaum 2006 aufgegeben haben, mieten wir uns nun auch für Proben und Trainings in fremden Räumen ein, und werden so unserem Namen ein weiteres Mal gerecht. Die Kosten dafür werden auf alle Beteiligten aufgeteilt.
Wir bieten neben den Produktionen daher auch weiterhin regelmäßig Trainings und Workshops an, die allen Interessenten frei zugänglich sind – für die einen als Einstieg in die Theaterwelt, für die anderen als regelmäßige Beschäftigung mit ihrer Bühnenarbeit und –präsenz. Unterschiedliche Zugänge und verschiedene Trainer/innen sorgen für Anregung, Austausch und Weiterentwicklung.

Masken
Hinter all dem steht eine Faszination fürs Theater. Ein Theater, das sich nicht nur in handwerkliches Geschick (sog. Talent) und technische Fähigkeiten (Sprechtechnik, Mimik, Gestik etc.) erschöpft, sondern den Menschen mit Körper, Geist, Wesenhaftigkeit und Geschichte in den Mittelpunkt stellt. Der Körper und seine Sprache, Bewegung und der Raum, die Stimme und die Emotion, Musik und Rhythmus, die Sprache, die Geschichte und ihre Dramaturgie, eine Figur/Personage und ihre Wurzeln in der Mythologie, Masken/Objekte, die zum Leben erweckt werden usw. Und vor allem das Spielen...

„Warum opfern wir unserer Kunst soviel Energie?
Nicht, um anderen etwas beizubringen, sondern um gemeinsam mit ihnen zu lernen, was unsere Existenz, unser Organismus, unsere persönliche und unwiederholbare Erfahrung uns geben können: um zu lernen, die Schranken, die uns umgeben, zu durchbrechen und um uns zu befreien von den Hemmnissen, die uns zurückhalten, von den Lügen über uns selbst, die wir uns und den anderen gegenüber täglich fabrizieren; um die Grenzen aufzuheben, die durch unser Unwissen und unseren Mangel an Mut entstanden sind...“
(Jerzy Grotowski – Für ein armes Theater).
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